Verfasst von: ontheway | 1. Januar 2008

Internetkommunikation – Macht das glücklich?

Gedankenanstoß:

Heute bekam ich eine Email von meiner Mutter mit Glückwünschen zum Neuen Jahr. Meine Eltern haben meine Telefonnummer. Ich glaube, im ganzen letzten Halbjahr haben sie mich nur einmal angerufen. Stattdessen werde ich mit Links zu Stellenangeboten beworfen. Aber wie es mir wirklich geht- danach wird nicht gefragt. Das könnte natürlich auch mit den extrem unterschiedlichen Lebensanschauungen zusammenhängen – das Leben meiner Eltern und mein Leben sind gezwungenermaßen sehr verschieden – meine Mutter heiratete ihren ersten Freund mit 20 und ich bin immer noch Single, der auf die 30 zugeht. Dass man auf die Art unheimlich viel Beziehungsschrott mitmachen muss, ist zwangsläufig. Diese Welt kennt meine Mutter nicht.

Aber worauf ich hinaus wollte und was mich schon länger beschäftigt…

Internetkontakte, z. B. über Emails, Chatsysteme und Foren sind grundsätzlich erst einmal oberflächlich. Wichtige nonverbale Informationen wie Mimik, Gestik, Stimme werden nicht übermittelt. Auch können zeitlich über eine Email oder über einen Chat nicht so viele Informationen rübergebracht werden wie es in einem Gespräch bei einem Kaffee möglich ist. Vorteilhaft ist allerdings, dass einem mehr Zeit bleibt sich gedanklich zu sortieren.Vorteil des Internets ist auch der schnelle Meinungsaustausch in Interessengruppen, zu denen man evtl. im „normalen“ Fall (z. B. keine örtliche Erreichbarkeit) keinen Zugang hätte.

Wie wichtig sind Internet-Kontakte eigentlich? Ist es nicht wichtiger, dass man im realen Leben Leute um sich herum hat, mit denen man sich über Vieles austauschen kann? Besteht nicht die Gefahr aufgrund des Internets persönliche Kontakte zu verlieren bzw. viel weniger persönliche Kontakte zu haben, als wenn man den Zugang erst gar nicht hätte? Fördert Internetkommunikation die soziale Isolierung? Ich kenne Leute, die ohne die Kommunikationsmöglichkeit über Internet sehr unglücklich wären. Selbst an mir entdecke ich Züge der Abhängigkeit.

Ich denke, Internetkontakte sind grundsätzlich nicht negativ, allerdings sollte die hauptsächliche Kommunikation mit Leuten stattfinden, zu denen auch regelmäßiger persönlicher Kontakt herrscht. Denn nur persönliche Kontakte zeigen, wie man zueinander steht, ob man sich wirklich gern hat und nur persönliche Kontakte können sich auch mal umarmen, Trost spenden oder zusammen viel Spaß haben. Große Internetaktivität weist meiner Meinung nach auf hohe soziale und innere Vereinsamung hin.

Ich denke, dass dies auch auf mich zutrifft. Meinen alten Freundeskreis musste ich aufgrund des Studiums verlassen, ohne Auto bin ich nicht mehr so mobil und kann den Freundeskreis nicht mehr richtig pflegen. Der Aufbau eines neuen Freundeskreises erweist sich als schwierig, vor allem wenn die meisten der Mitstudenten durch eigene Freundeskreise bereits ausgelastet sind.

Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung zu dem Thema ist zu finden unter:

http://www.nicola-doering.de/publications/soz_netz.htm


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