Etwas tut weh. Ich will es gar nicht wahr haben. Denn es hat keinen Sinn. Aber trotzdem tut es weh. Ich kapsel mich ab, vergrabe mich in meiner Höhle – wie ein Maulwurf. Ich kann nicht mehr ertragen. Meine Nerven wollen einfach nicht. Ich denke schon: „Stell dich nicht so an! Steh doch darüber!“ Aber ich merke, wie meine Kraft weg ist. Es war einfach zu viel Negatives. Ich hielt dich für aufrichtig und verantwortungsbewusst. Und nach außen hin bist du das auch, hinzu kommt noch, dass du den Ruf eines „lieben Kerles“ hast, hilfsbereit bist und dir jeder schnell alles anvertrauen möchte. Ich kenn dich schon länger so – ich hatte zwar nie direkt mit dir zu tun, aber ich hatte dich immer so eingeschätzt.
Deshalb vertraute ich dir, deinen Worten, dass du etwas länger bräuchtest um Gefühle zu entwickeln. Ich fand es gut, dass du dich bewusst entscheiden wolltest. Aber du hast dich nur halbherzig mit mir auseinander gesetzt. Nach zwei Wochen, in denen du mir entgegenkamst, nahm dein Interesse ab. Auf einmal hattest du so viel zu tun. Und vorher warst du immer am jammern gewesen, du könntest so schlecht abends allein sein, Leute würde nicht wirklich was unternehmen wollen und und und. Bevor es mit uns los ging, hatten wir sogar schon Pläne geschmiedet. Klettern lernen wollten wir zusammen, nach Hamburg fahren…
Wenn ich es ansprach oder was organisierte, kamst du wieder an. Nach drei Wochen vermisstest du mich angeblich. Dabei wusste ich selbst schon, dass dir nur die Decke auf den Kopf gefallen war – halt ein Samstagabend allein. Du kamst und nahmst dir, was du wolltest und ich ließ es einfach zu – unsicher, wie du wirklich zu mir stehen würdest.
Meine Mail, in der ich dir meine Eindrücke mitteilte, nahmst du als Absprungbrett – aber anrufen und drüber reden- das kam dir gar nicht mehr in den Sinn. Sie war dir willkommen. So richtig hattest du wohl nie gewollt. Unser „klärendes“ Telefongespräch gabs nach fünf Wochen, auch nur auf viel Terz meinerseits hin. Halte schon lange nicht mehr viel von SMS, Emails oder Chatgesprächen.
Du hast mir nie eine Chance gegeben, hast mich nie besser kennenlernen wollen. Hast mich einfach weggeworfen. Die letzten Worte von dir- auch noch im Chat: „Tja, shit happens. Wünsch dir noch einen schönen Abend.“
Sowas kommt nicht von jemandem, der verantwortungsbewusst mit anderen umgeht. Das ist arrogant. Aber du warst ja immer der Meinung, man müsse auch mal arrogant sein. Scheiß Lebensphylosophie. Auf mir herumgetrampelt bist du! Und egal ist es dir auch.
Jetzt bist du vergeben – drei Wochen, nachdem du dich auf die andere eingelassen hast, sieben Wochen, nachdem ich mich auf dich eingelassen hatte.
